Der Blindenhund - im Dienste für den Menschen

Blindenhund - der ganz besondere Hund

Wir kennen Sie alle, die Faszination, die wir spüren, wenn wir einen Blindenhund bei seiner Arbeit beobachten: Ein Blindenhund fällt durch seine außerordentlichen Fähigkeiten, seine ganz besondere Bindung und Leistung für sein Herrchen, ja durch seine stets freundliche Disziplin und Professionalität auf. Wir Sehenden sind fasziniert von der Symbiose des Blindenhundes und seines sehbehinderten Hundeführers, der sich völlig der Führung durch den Hund überläßt.

 

Ein Blindenhund, offiziell Blindenführhund, hat eine ganz spezielle Hundeausbildung durchlaufen, damit er blinden oder stark sehbehinderten Menschen helfen kann, sich in vertrauter und sogar in fremder Umgebung zurecht zu finden. Diese Ausbildung ist sehr intensiv, nicht jeder Hund eignet sich zum Blindenhund. Umgekehrt ist es für blinde oder sehbehinderte Menschen auch nicht einfach, einen Blindenhund zu erhalten. Hohe Kosten und lange Wartezeiten müssen meist in Kauf genommen werden. So kommt es, dass nur ca. 1-2% der Blinden in Deutschland einen Blindenhund, einen sog. Blindenführhund, haben.

 

Ein gut ausgebildeter Blindenhund ermöglicht seinem Hundeführer ein hohes Maß an individueller Mobilität und Freiheit, er gibt Sicherheit, ja buchstäblich Orientierung. Dank seiner Hilfe können blinde Menschen viel aktiver und unabhängiger am gesellschaftlichen Leben teilhaben, der Blindenhund schützt und leitet sie. Wenn Sie schon einmal einen Blindenhund im Dienst gesehen haben, dann wissen Sie: Er ist an seinem ganz offiziellen Verkehrszeichen, dem weißen Führgeschirr, einer ganz speziellen Hundeleine, stets gut zu erkennen.

 

 

Die besondere Bindung zwischen Blindenhund und Mensch

Blindes Vertrauen zwischen Blindenhund und Mensch

Wie immer in der Hundeausbildung ist eine enge Bindung zwischen Hund und Hundeführer auch im besonderen Fall des Blindenhundes die wichtigste Voraussetzung dafür, dass diese sehr spezielle Ausbildung Früchte trägt. Gegenseitiges Vertrauen, Liebe und Respekt werden bereits während der Welpenerziehung im ersten Lebensjahr des Hundes aufgebaut, die Bindung zwischen dem sehbehinderten Hundeführer und seinem Blindenhund muss besonders intensiv und eng sein. Nicht umsonst spricht man von "blindem" Vertrauen!

 

Vorsicht, wenn der Blindenhund in einer Familie oder bei einem Paar lebt und nur sein blinder Mensch nicht sehen kann. Hier sollte immer klar kommuniziert werden, dass einzig und allein der blinde Hundeführer die Hauptbezugsperson des Blindenhundes ist. An der engen Bindung aneinander, aber auch im Training sollte daher permanent gearbeitet werden. Andernfalls kann es passieren, dass der Blindenhund eine engere Beziehung zu nicht sehbehinderten Familienangehörigen aufbaut.

 

 

Welcher Hund eignet sich zum Blindenhund?

Dieser Labradorwelpe eignet sich zum Blindenhund

Ein potenzieller Blindenhund sollte über eine ganze Reihe wichtiger Charaktereigenschaften verfügen: Nur friedliche, intelligente und nervenstarke Tiere werden am Ende zum Blindenhund ausgebildet. Die Welpen sollten außerdem unbedingt gesund sein (Organe und Knochen), d.h. physisch und psychisch belastbar sein. Tiere mit aggressivem Potenzial eignen sich nicht zum Blindenhund, auch Jagdhunde werden i.d.R. ausgeschlossen.

 

Die Hundepsychologie hilft hier, die richtige Wahl zu treffen. Ein junger Hund durchläuft verschiedene Stufen und Eignungstests. Bereits mit acht Wochen werden Welpen von erfahrenenen und spezialisierten Hundetrainern getestet.

 

Rassebeschränkungen bestehen keine bei der Ausbildung zum Blindenhund. Allerdings werden häufig Labrador Retriever, Golden Retriever, Deutsche Schäferhunde, Riesenschnauzer oder Königspudel eingesetzt. Aber auch Mischlinge können sehr gute Blindenhunde sein, wichtig sind die grundlegenden Charaktereigenschaften, Gesundheit und eine Schulterhöhe von ca. 60 cm.

 

 

Die Ausbildung zum Blindenhund

Welpen, die Potenzial zum Blindenhund erkennen lassen, werden erst einmal ein Jahr lang ganz eng in ausgewählten Patenfamilien sozialisiert und an das Leben mit Menschen gewöhnt. In diesem ersten Lebens- und Ausbildungsjahr besuchen die Welpen eine Welpenschule, spielen, schmusen und toben, wie andere Welpen auch. Außerdem besuchen Sie bereits besondere Führhundschulen, die die Hunde, aber auch die Familien betreuen,  kontrollieren und bereits früh mit dem ganz speziellen Training beginnen.

 

Die Ausbildung zum Blindenhund oder Blindenführhund kann bis zu 12 Monate lang dauern. Die jungen Hunde besuchen spezielle Führhundschulen und werden dort von Tierpsychologen und Hundeführtrainern ausgebildet. Die Kosten für die Ausbildung übernimmt übrigens die Krankenkasse, jedenfalls in Deutschland.

 

Blindenhund - intelligenter Ungehorsam

Blindenhunde sollen ungehorsam sein

Ganz besonders faszinierend ist die Fähigkeit des sog. intelligenten Ungehorsams von Blindenhunden und Blindenführhunden. Die Hunde werden gezielt dazu angeleitet, in gefährlichen Situationen ungehorsam zu sein und Kommandos zu verweigern. Doch kann dieses unorthodoxe Erziehungsziel konform gehen mit einer exzellenten Hundeerziehung?

 

Die Antwortet lautet klar ja, denn der Blindenhund wird eben genau daraufhin erzogen, nämlich intelligenten Ungehorsam zu leisten. Wie das? Sein Instinkt sagt ihm direkt und ohne Umwege, wenn eine Situation gefährlich sein könnte. In der Ausbildung zum Blindenhund wiederum hat er gelernt, dieser instinktiven Reaktion eine tatsächliche reale Handlung zuzuordnen. Möchte der Mensch z.B. eine befahrene Straße überqueren, weicht der Blindenhund instinktiv zurück. Zu dieser Instinktreaktion gesellt sich sofort die Verweigerung des Kommandos und das Zurückhalten des Hundeführers. Dieser wiederum vertraut seinem Partner blind und negiert das ursprüngliche Kommando.

 

Somit ist der vermeintliche Ungehorsam des Blindenhundes eigentlich gar kein Ungehorsam, sondern ein Zeichen von Verbundenheit mit seinem Hundeführer und gesunder Selbstständigkeit. Seine instinktiven Reaktionen kanalisiert der Blindenhund "intelligent", d.h. vermeintlich eigenständig, dabei aber eigentlich automatisiert angelernt. Der Kreis schließt sich und wir finden: faszinierend!

 

Weitere Informationen zum Blindenhund und zur Hundeerziehung: